Kniearthrose (Gonarthrose)
Symptome und Behandlungsmöglichkeiten
Die Symptome der Kniearthrose (Gonarthrose) sind vielfältig. Zu Beginn steht meist ein Anlaufschmerz im betroffenen Gelenk. Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nicht nur nach dem Stadium der Arthrose sondern auch individuelle Parameter wie Alter und Aktivitätsgrad werden idealer Weise miteinbezogen.
Entstehung und Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose des Kniegelenkes werden im Folgenden detailliert dargestellt:
Wie funktioniert ein normales Kniegelenk?
Durch das Kniegelenk werden die Enden von Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia) beweglich miteinander verbunden. Damit nun nicht raue und kantige Knochen aufeinander reiben, sind diese Kontaktflächen mit einer Gleitschicht, dem ca. 3-4 mm dicken Knorpelgewebe überzogen. Diese ist äußerst glatt, setzt die Reibung im Gelenk herab (niedriger als zwei glatte Eisflächen aufeinander) und federt elastisch harte Stöße beim Laufen ab. Zusätzlich nehmen Innen- und Außenmeniskus einen wesentlichen Anteil bei der Abpufferung beim Gehen, Laufen und Springen ein. Eine stabile Gelenkführung wird durch das Zusammenspiel der Seitenbänder, Kreuzbänder sowie knieübergreifende Muskeln und Sehnen geschaffen.
Risikofaktoren für Knorpelschäden
Diese besonderen mechanischen Eigenschaften werden durch komplizierte biochemische, molekulare und elektrophysiologische Zusammenhänge aufrechterhalten und setzen eine intakte, geschlossene Oberfläche und ein stabiles Netzwerk aus kollagenen Fasern voraus. Dieser komplexe „Verbundwerkstoff“ wird von den Knorpelzellen, den Chondrozyten, hergestellt und überwacht. Störungen können mechanisch (Gewalteinwirkung wie Unfälle, schwere Verstauchungen, chronisches Übergewicht, O-Bein, X-Bein, Kreuzbandinstabilitäten, fehlender Meniskus) oder biochemisch (Stoffwechselerkrankungen Rheuma, Gicht, Verkalkung, Durchblutungsstörung) eintreten. Einige Fakten gelten dabei als gesichert: so stellt vernünftiger Ausdauersport, Marathonläufer eingeschlossen, keine vermehrte Arthrosegefahr dar, während O- der X-Bein besonders bei bestehendem Meniskusschaden, radikaler Meniskusoperation und/oder Übergewicht ein erhebliches Arthroserisiko darzustellen.
Die 4 Stadien der Kniearthrose
Den Knorpelschaden teilt man in vier Schweregrade ein: Stadium 1 = leichte oberflächliche Auffaserung. Stadium 2 = halbschichtige Einrisse und breite Oberflächenauffaserungen. Stadium 3 = tiefer, bis zum Knochen reichender Defekt mit starker Auffaserung, mechanisch nicht mehr tragfähig. Stadium 4 = freiliegender Knochen.
Wie kann aus einem normalen ein krankes Kniegelenk entstehen?
Die Ursachen einer entstehenden Arthrose sind sehr vielfältig. Der Prozess der Arthroseentwicklung zieht sich meist über viele Jahre hin. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Vollbild einer Kniearthrose bedingen. Abhängig vom Lebensalter lassen sich meist folgende Ursachen unterscheiden:
Die Entstehung der Kniearthrose bei jüngeren Personen
Bei jüngeren Personen entstehen Knorpelschäden häufig durch Unfälle, wobei Sportunfälle inzwischen Arbeits- und Gelegenheitsunfälle an Häufigkeit ablösen. Unfälle können zu direkten Knorpelrissen oder Defekten führen, welche unbehandelt praktisch nie heilen sondern sich immer weiter verschlechtern. Knorpeldefekte können beispielsweise aber auch sekundär nach Läsionen anderer Gelenkpartner wie z.B. Meniskus, Bänder, Knochen entstehen, die beispielweise durch Aktivitäten beim Sport entstehen können.
Kniearthrose im mittleren Lebensalter
Im mittleren Lebensalter wird die Arthroseentwicklung durch ungünstige Verhaltensweisen mit beeinflusst. Frühzeitiger Verschleiß kann sich einstellen beispielsweise durch:
- nicht oder unzureichend behandelte Unfallfolgen
- chronische Überbelastung durch
- übertriebene monotone Sportarten
- Übergewicht und Achsfehlstellungen (X-Beine oder O-Beine)
Entwicklung der Kniearthrose im höheren Lebensalter
Im höheren Lebensalter entstehen Knorpelschäden im Rahmen des normalen Alterungsprozesses durch stete Abnutzung, Ausdünnung bzw. Aufrauung, was die Betroffenen durch Reduktion ihrer Ansprüche an Bewegung und Sport kompensieren. Sie riskieren dann aber verstärkt Probleme durch Bewegungsmangel wie Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen usw.
Gelenkgesunde ihrerseits zeigen oft noch erstaunliche körperliche Fitness jenseits von 70 bis 75 Jahren.
Vermehrte Abnutzung im Alter wird begünstigt durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht u.a. sowie eine unausgewogene Ernährung ohne ausreichende Zufuhr von Knorpel regenerierenden Substanzen. Epidemiologisch weniger bedeutsame Arthroseursachen sind entzündlich rheumatische Erkrankungen, Gelenkinfektionen, angeborene Fehlbildungen der Knochen, Gelenke, seltene Stoffwechselerkrankungen usw.
Die Kniearthrose (Gonarthrose) als häufigste Gelenkarthrose des Menschen kann somit in zwei Ursachenklassen eingeteilt werden:
1. Unfallbedingte Knieverletzungen und Knorpelschäden
Bei Knieverdrehungen oder Prellungen (Skisturz, Fußball usw.) können Knorpelstücke von wenigen cm Durchmesser aus der kompletten Knorpelschicht herausbrechen. Hier sind die umgebenden Ränder intakt und von normaler Höhe, der darunterliegende Knochen ist gesund und von guter Regenerationsfähigkeit. Dieser Schadenstyp spricht gut auf alle nachfolgend erwähnten Behandlungsmethoden an. Auch die Verletzungen anderer Gelenkstrukturen kann durch die Verminderung der Gelenkstabilität, Verlust von Gelenkpuffern oder Gelenkdichtungen eine spätere Knorpelschädigung und Arthroseentwicklung verursachen. Hierzu zählen beispielsweise Meniskusverletzungen, Seitenbandverletzungen, vordere und hintere Kreuzbandrisse. Eine frühzeitige Therapie dieser Verletzungen kann also dem frühzeitigen Verschleiß eines Gelenkes entgegenwirken.
2. Degenerativer Verschleiss
Ungünstiger verlaufen Knorpelschäden, welche im Laufe eines Lebens durch jahrelange monotone Belastung allein oder begünstigt durch Fehlstellung des Kniegelenks auftreten. Hierzu gehört beispielsweise die O- oder X-Beinfehlstellung, welche eine Überlastung der Knieinnen- oder Außenseite zur Folge hat. Fehlverheilte Knochenbrüche mit Fehlstellung von Ober- und Unterschenkelknochen beziehungsweise Knochenbrüche im Kniegelenk selbst führen später häufig zu frühzeitigem Verschleiß.
Genetische Veranlagung mit familiärer Häufung von Gelenkverschleiß, Übergewicht und mangelnde Bewegung spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Arthroseentstehung im Kniegelenk. Nach anfänglicher Erweichung des Knorpels(Verschleiß-Stadium 1) kommt es zu einer Auffaserung der Knorpelgleitschicht (Verschleiß-Stadium 2). Im Stadium 2-3 ist die Knorpelschicht nur noch halb so dick und extrem ausgefranst, oder es liegen abgehobene, lockere Knorpelfetzen vor.
Dieser Zustand kann vom Organismus ohne fremde Hilfe nicht mehr repariert werden. Hier muss man bereits von einem schweren Knorpelschaden reden, wobei die Schmerzen aber noch erträglich sein können und deshalb vom Patienten noch nicht als entsprechendes Warnsignal gedeutet werden. Gerade aber in diesem frühen Stadium des fortschreitenden Gelenkverschleißes sind die Erfolgsaussichten der modernen Knorpelchirurgie am besten. Leider warten viele Patienten weiter ab, bis es zu spät ist: man traut sich nicht an große Operationen heran, „jetzt ist es gerade beruflich schlecht, Arbeitsplatzwechsel“, oder: „es geht schon wieder etwas besser, warten wir mal ab“, oder: „ich kenn da einen, dem geht es jetzt schlechter als vorher“, oder: „ich kann mir teure Spritzen nicht leisten“ usw. Fakt ist: je länger man auf einem geschädigten Gelenk herumläuft, desto mehr Restknorpel geht verloren, desto schlechter sind die Erfolgsaussichten einer gelenkerhaltenden Arthrosetherapie!
Im Endstadium 4 ist der Knorpel völlig zerrieben, das „Reifenprofil“ ist komplett abgenutzt. Es reibt Knochen auf Knochen, Rillen schleifen sich ein und knöcherne Randanbauten erschweren zunehmend die Beweglichkeit.
Ein O- oder X -Bein nimmt an Fehlstellung zu. In diesem Stadium sind leider auch heute noch die operativen Maßnahmen zum Wiederaufbau des Knorpels nur eingeschränkt erfolgreich. Echter hyaliner Knorpel kann nicht nachwachsen. Der orthopädische Chirurg kann nur die Bildung von Ersatzknorpel, Faserknorpel, erleichtern und dann dessen Qualität und Festigkeit verbessern oder aufwändige Zellzüchtungen und Transplantationen durchführen, die aber auch heute noch in ihrem Anwendungsspektrum begrenzt sind.
Der Verschleiß schreitet zunehmend schneller fort, sobald der Knorpelschaden einmal begonnen hat. Ist dies der Fall, muss zeitnah mit Therapiemaßnahmen begonnen werden, sonst können die Schmerzen nur noch mithilfe einer Knieprothese therapiert werden.
Wie kann ich eine Kniearthrose erkennen?
Die Symptome der Arthrose im Kniegelenk sind vielfältig. Zu Beginn steht meist ein Anlaufschmerz im betroffenen Gelenk. Morgens beim Aufstehen oder nach längerem Sitzen kommt es zu Knieschmerzen, das Knie fühlt sich steif an. Nach einigen Schritten oder mehreren Gehminuten lässt dieser Schmerz wieder nach. Das Gelenk hat sich sozusagen „eingelaufen“. Es besteht volle Belastbarkeit. Im weiteren Verlauf kommen Schmerzen nach Belastung dazu. Diese sind anfänglich hauptsächlich beim Treppensteigen, Bergauf- und abgehen und Tragen schwerer Lasten spürbar. In früheren Stadien der Kniearthrose ist der Schmerz häufig noch lokalisierbar. Je nach Ort des Arthrosebeginns kann das Knie nur innen, außen oder vorne unter der Kniescheibe weh tun. Die Schmerzen können messerstichartig in Attacken kommen oder auch schleichend von dumpfen und brennenden Charakter sein.
Später tut das Gelenk auch nach längerem Laufen in der Ebene weh. Die Gehstrecke ohne Schmerzen verkürzt sich zunächst auf wenige Kilometer, bei höhergradiger Arthrose können nur noch wenige Hundert Meter ohne Schmerzen zurückgelegt werden. Bei Fortschreiten der Arthrose kommt es zur Entzündung der Gelenkschleimhaut. Folge davon ist eine Überwärmung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit des Gelenks. Knieschmerzen können nun auch in Ruhe sowie in der Nacht auftreten. Es bildet sich häufig ein Reizerguss, der zusätzliche Spannung auf die Gelenkkapsel ausübt. Bedingt durch die Tatsache, dass das Kniegelenk das größte Gelenk des menschlichen Körpers ist, können sich bis zu mehreren hundert ml meist strohgelbe klare Flüssigkeit im Knie bilden. In diesem Stadium der Erkrankung spricht man von einer aktivierten Arthrose. Durch die schmerzbedingte Schonhaltung und den eingeschränkten Gebrauch kommt es zu Verkürzung und Vernarbung von Gelenkkapsel, Bändern, Muskeln und Sehnen. Dies führt zu einer Bewegungseinschränkung des Gelenks, die durch den verzweifelten Versuch des Körpers, gegen die Überlastung seitliche Knochenanbauten (Osteophyten) zu bilden, noch begünstigt wird. Alltagstätigkeiten wie in die Hocke oder auf die Knie gehen, auf Leitern steigen und vieles mehr gelingen nur noch mit erheblicher Einschränkung oder gar nicht mehr.
Weitere Symptome einer Arthrose können Gelenkgeräusche wie Knirschen und Knacken sein. Ebenfalls häufig tritt eine Wetterfühligkeit des betroffenen Kniegelenks auf. Die Beschwerden verstärken sich hier bei feuchter und kalter Witterung. Bestehende Fehlstellungen wie zum Beispiel X- oder O Bein werden durch eine Kniearthrose meist noch verstärkt. Groteske Fehlstellungen können am Ende die Folge sein.
Die Arthrosebeschwerden kommen häufig in Schüben. Das bedeutet Knieschmerzen, Schwellung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung kommen häufig ohne erkennbare Ursache und bleiben für Tage bis einige Wochen. Bei Zunahme des Arthrosestadiums werden diese Schübe heftiger, treten häufiger auf und können länger andauern. Im Endstadium sind diese Beschwerden dann dauerhaft vorhanden.
Stufenplan zur Behandlung der Kniearthrose
1. Stufe - Knorpelregeneration
Hier kommen insbesondere knorpelregenerierende Verfahren zur Anwendung:
- Gelenksäuberung (Débridement)
- Knorpelreparationstechnik
- Microfracture-Technik
- Abrasionsarthroplastik
- Knorpel-Knochen-Transplantation
- Knorpelzell-Züchtung
2. Stufe - Kniegelenksteilersatz und 3. Stufe - Kniegelenksersatz
Bei einem erhöhtem Arthrosegrad versprechen diese Techniken häufig noch wenig Erfolg, so dass hier ein künstlicher Gelenkersatz zum Einsatz kommt. Aber auch hier gibt es große Unterschiede, die bei der Auswahl der Implantate berücksichtigt werden.