Kniegelenkteilersatz („Schlittenprothese“) bei Kniearthrose - Behandlungsstufe 2

Entscheidend für die Indikation zum endoprothetischen Kniegelenkersatz ist nicht ausschließlich der bildgebende Befund der Arthrose bzw. der Grad des Knorpelverschleißes (Röntgenbild oder Magnetresonanztomographie, MRT), sondern vor allem der Leidensdruck des Patienten. Daher ist es sehr wichtig, dass Patient*in und Arzt bzw. Ärztin gemeinsam den optimalen Zeitpunkt für einen endoprothetischen Ersatz bestimmen (sog. „Shared decision making“), da die seelische Belastung aufgrund von Schmerzen und Bewegungseinschränkung durch die Arthrose im Knie (Gonarthrose) bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Erfolgt die Operation zu früh bei noch geringem Leidensdruck, kann der Patient möglicherweise nicht so wie gewünscht vom Eingriff profitieren. Bei sehr weit fortgeschrittenem Verschleiß des Kniegelenks mit starken Bewegungseinschränkungen und Fehlstellungen kann dagegen die operative Behandlung in bestimmten Fällen deutlich aufwendiger und nicht mehr minimalinvasiv erfolgen.

Ein Knie Teilgelenkersatz kommt dann zum Einsatz, wenn isoliert ein einzelnes Kompartiment des Kniegelenkes bedingt durch Arthrose bereits stark geschädigt ist und die bisherigen konservativen Therapien und operativen Maßnahmen wie Physiotherapie, Schmerzmedikamente und/oder Gelenkspülungen ausgereizt sind.

Am häufigsten betroffen ist dabei der innere Gelenkanteil (Varusgonathrose oder mediale Gonarthrose) mit ca. 40 % der Kniegelenkarthrosen. In ca. 10 % der Fälle ist ausschließlich der äußere Gelenkanteil betroffen (Valgusgonarthrose oder laterale Gonarthrose). Noch seltener sind klinisch relevante Arthrosen, die isoliert das Kniescheibengelenk betreffen (Retropatellararthrose). In ca. 50 % der Kniegelenkarthrosen sind mehrere Gelenkanteile so schwer geschädigt, dass ein Teilgelenkersatz nicht mehr sinnvoll ist (Pangonarthrose).

Je nach Art der Kniegelenksarthrose wird in unserem Haus bei Arthroseformen, die isoliert einen Teil des Kniegelenkes betreffen, ein minimalinvasiver medialer, lateraler oder retropatellarer Teilgelenkersatz durchgeführt. Bei Arthroseformen die mehrere Gelenkanteile klinisch relevant betreffen, ist ein Teilgelenkersatz nicht sinnvoll, in diesen Fällen kommt ein Oberflächenersatz (Knie-Totalendoprothese, Knie-TEP) zum Einsatz.

Wie kommt es zum einseitigen Verschleiß des Kniegelenks?

Die häufigste Ursache für einen Knie Teilgelenkersatz in Folge eines einseitigen Verschleißes ist die Arthrose. Die einseitige, komplette Abnutzung der Knorpelschichten am Kniegelenk ist meist durch eine Beinachsenfehlstellung bedingt. Die Fehlstellung kann angeboren sein oder nach Unfällen, einseitiger Belastung oder Operationen auftreten. Ein einseitiger Verschleiß tritt ebenfalls typischerweise nach einer Resektion des inneren oder äußeren Meniskus auf. Seltener tritt diese Form der Arthrose in Folge einer lokalisierten Durchblutungsstörung des Knochens auf (Morbus Ahlbäck). Als Folge treten neben anfänglichen Belastungs- und Anlaufschmerzen später auch Ruhe- und Nachtschmerzen auf.

Wann ist ein Knie Teilgelenkersatz sinnvoll?

Die Indikation zum Knie Teilgelenkersatz bei Kniearthrose ist dann gegeben, wenn trotz konservativer oder gelenkerhaltender operativer Therapiemaßnahmen die Schmerzen unerträglich geworden sind oder aber die Funktion des Gelenks, also die Beweglichkeit und/oder Stabilität, zunehmend eingeschränkt wird. Oberstes Ziel bei einem Knie Teilgelenkersatz ist ein schmerzfreies, stabiles und gut bewegliches Kniegelenk, wobei die natürliche Beinachse wiederhergestellt wird. Voraussetzung für den Teilgelenkersatz sind insbesondere ein intaktes vorderes Kreuzband, ein weitgehend intakter Knorpelüberzug der nicht betroffenen Knieteilgelenke. Ebenso dürfen keine hochgradigen Fehlstellungen und Bewegungseinschränkungen vorliegen.

Vorteile eines Knie Teilgelenkersatzes gegenüber Totalgelenkersatz

Auch bei fortgeschrittener Arthrose ist nicht immer ein Totalgelenkersatz notwendig. Eine Knieteilprothese erfordert bei fachgerechter Durchführung des Eingriffs nur eine minimale Knochenresektion (Ersatz der Oberfläche nur im betroffenen Knieanteil, was insbesondere bei jungen, aktiven Patienten von großem Vorteil sein kann und mögliche spätere Wechseloperationen erleichtert.

Weitere Vorteile des Knie Teilgelenkersatzes:  

  • Natürlicherer Bewegungsablauf/Kniekinematik
  • Erhalt der natürlichen Bänder (vorderes und hinteres Kreuzband bleiben erhalten)
  • Kürzerer Krankenhausaufenthalt
  • Schnellere Genesung
  • Geringere OP-Risiken durch minimal-invasiven Eingriff
  • Sehr geringer Blutverlust, sodass Bluttransfusionen nur in Ausnahmefällen erforderlich sind
  • Ca. 50% geringeres Infektrisiko
  • Knie Teilgelenkersatz ist nach der Operation sofort voll belastbar
  • Höhere Patientenzufriedenheit
  • Natürliches Kniegefühl
  • Bessere Sportfähigkeit
  • Bessere Beweglichkeit
  • Gute Langzeithaltbarkeit auch bei jungen, aktiven Patienten

Knieteilprothese: Welche Implantattypen gibt es?

Je nach Ausprägung der Kniearthrose kommen bei einem Knie Teilgelenkersatz verschiedene Prothesen zum Einsatz, die möglichst nur die verschlissenen Anteile des Gelenkes ersetzen und nicht veränderte Areale erhalten. Oberstes Prinzip ist dabei der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der natürlichen Kniegelenkskinematik. Bei einer Knieteilprothese werden grundsätzlich folgende Prothesentypen unterschieden: unikompartimenteller medialer (innerer), lateraler (äußerer) und patellofemoraler (Kniescheibengelenk) Kniegelenkersatz.

Knie Teilgelenkersatz: Unikompartimentelle Prothesen

Der isolierte Ersatz eines Knieteilgelenkes setzt voraus, dass die anderen Abschnitte keine oder allenfalls geringe Knorpelveränderungen aufweisen und die Kniebandstrukturen intakt sind.

Weitere Bezeichnungen für Unikompartimentelle  Knieteilprothesen:

  • Unikondylärer Schlitten
  • Hemischlitten
  • Schlittenprothesen
  • Monokondyläre Prothesen

Unicondyläre Prothesen ersetzen dabei nur den innenseitigen (medialen) oder außenseitigen (lateralen) Gelenkanteil. Beim patellofemoralen Gelenkersatz wird lediglich das Gelenk zwischen Kniescheibenrückfläche und dem Kniescheibengleitlager des Oberschenkels ersetzt.

Einsatz einer bikompartimentellen Knieteilprothese

Bei einer bikompartimentellen Knieteilprothese werden zwei unikompartimentelle Prothesen z.B. eine unikondyläre Schlittenprothese und ein patellofemoraler Gelenkersatz miteinander kombiniert. Voraussetzung für die spezielle Form dieses Knie Teilgelenkersatz  ist, dass der Bandapparat des Gelenks in Ordnung ist und so die nötige Stabilisierung ermöglicht.

Ein weiterer bikompartimenteller Prothesentyp, der jedoch die vollständige Gelenkoberfläche ersetzt, stellt die Bikondyläre Prothese (Knietotalendoprothese) dar. Weitere Informationen zur Knie-TEP finden Sie auf der Seite Kniearthrose - Behandlungsstufe 3: Knieprothese.

Individueller Knie Teilgelenkersatz

Die einzelnen Prothesentypen gibt es in verschiedenen Größen. Mit Hilfe der präoperativen Planungsskizze werden Modellgröße und Fixation der Knieteilprothese bestimmt, wobei hier individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden (Alter, Geschlecht, Knochenform, Körpergewicht etc.). Anhand der Skizze werden auch die Achsen des Beines vermessen und der Knie Teilgelenkersatz in seiner Ausrichtung geplant.

Knieteilprothesen - Routineoperation

Die in den letzten Jahrzehnten ständig verbesserten Operationstechniken und Implantate machen den Knie Teilgelenkersatz und die Knietotalendoprothese (Knie-TEP) zu einer der häufigsten und erfolgreichsten Routineoperationen (in Deutschland ca. 150.000 pro Jahr) in der orthopädischen Chirurgie.

Reha nach der Schlittenprothese-Operation

Gelenkersatzoperationen werden ausschließlich unter stationären Bedingungen durchgeführt. Zur Gewährleistung eines optimalen Operationserfolges erfolgt eine frühzeitige postoperative Mobilisation mit Hilfe der Krankengymnastik, wobei in der Regel eine sofortige Belastung des operierten Beines erlaubt wird. Zum Schutz des Weichteilgewebes sollten für mindestens 2 Wochen Unterarmgehstützen verwendet  werden.

F
ür den überwiegenden Teil der Patienten schließt sich nach einem Klinikaufenthalt  von 3-4 Tagen ein 3-wöchiger ambulanter oder stationärer Rehabilitationsaufenthalt an. Im Rahmen regelmäßiger, engmaschiger ambulanter Kontrolluntersuchungen werden die Fortschritte der Patienten dokumentiert und ggf. eine ambulante Fortsetzung der mobilisierenden Therapie verordnet. 

Welche Sportarten sind mit Knieteilprothese möglich?

Verbunden mit einer schweren Kniegelenkarthrose ist eine deutliche Einschränkung sportlicher Aktivitäten. Die durch die Knieteilprothese erzielte Beschwerdefreiheit lässt den Wunsch nach teilweiser Rückkehr zum Sport aufkommen. International besteht Einigkeit, dass zumindest sogenannte „low-impact“ Sportarten, wie z.B. Fahrradfahren, Wandern, Schwimmen, Segeln, Tauchen, Golf und Kegeln empfohlen werden können. Bedingt möglich sind Sportarten wie Tennis, Basketball und Skilaufen. Vermieden werden sollten in der Regel Kontaktsportarten (sog. High-impact Sportarten wie Fußball, Handball, etc). Die Empfehlung zu einer bestimmten Sportart ist auch abhängig von dem Leistungsstand des Patienten. Als Faustregel gilt, dass vor der Operation der Knieteilprothese beherrschte Sportarten wieder durchgeführt werden dürfen. 

ARCUS Spezialisten für Knie Teilgelenkersatz

Die ARCUS Kliniken Pforzheim stehen für langjährige Erfahrung und nehmen deutschlandweit eine führende Position in der Behandlung von Erkrankungen an Kniegelenken ein. Unsere Ärzte erzielen bei Knie OPs überdurchschnittlich gute Therapieergebnisse. Neben offenen Knieoperationen werden in unserer Klinik arthroskopische und minimalinvasive Operationstechniken am Knie als Standardverfahren eingesetzt. Dabei stehen gelenkerhaltende Maßnahmen immer im Vordergrund. Sollte das Knie allerdings zu stark beschädigt sein, setzen unsere Spezialisten Knieteilprothesen ein. Als zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung stehen die ARCUS Kliniken auch hier für ausgezeichnete Qualität und zählen mit >2.100 künstlichen Kniegelenken jährlich zu den größten Referenzzentren in Deutschland. Es besteht eine große Erfahrung sowohl im Bereich der Primär- als auch der Wechselendoprothetik. Gerade für den Teilgelenkersatz konnte in großen Registerstudien gezeigt werden, dass Operateure mit hohen Fallzahlen wesentlich bessere Langzeitergebnisse erzielen als Operateure mit geringen Fallzahlen.

Knieteilprothese-Operation in den ARCUS Kliniken

Die ARCUS Kliniken stellen neben einem höchstmöglichen medizinischen Anspruch, die Qualität der Patientenversorgung in den Mittelpunkt. Daher begleiten Sie unsere Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte vor und nach dem Einsatz eines Knie Teilgelenkersatz. Neben einer lückenlosen Betreuung, erwartet unsere Patienten auf den Zimmern höchster Komfort. Auch aus diesem Grund, zählen die ARCUS Kliniken deutschlandweit zu den modernsten Kliniken.  Die Operationssäle der ARCUS Kliniken verfügen über absolute medizinische Spitzentechnologien und sind stets auf dem neuesten Stand. Der Einsatz eines Knie Teilgelenkersatz unterliegt außerdem unserer kontinuierlichen wissenschaftlichen Qualitätskontrolle und erfolgt nach dem aktuellsten internationalen medizinischen Wissensstand unserer Spezialisten für Endoprothetik. Die Komplikationsraten, insbesondere auch die Häufigkeit von postoperativen Infektionen, im Haus sind im bundesweiten Vergleich durch die hohe Routine und umfassende Qualitätsmaßnahmen sehr niedrig.

Sie leiden unter Kniearthrose und es wurde eine Knieteilprothese/Schlittenprothese indiziert? Sie möchten sich eine Zweitmeinung einholen oder sich über die Behandlung und den Operationsablauf in den ARCUS Kliniken vor Ort ein Bild machen? Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir werden uns schnellstmöglich bei Ihnen melden.