Schulterluxation (Auskugelung)

Symptome

Zu einem Auskugeln des Schultergelenks kommt es meist durch eine Gewalteinwirkung bei einer kombinierten Bewegung des Armes mit Abspreizen und gleichzeitigem Aussendrehen, z. B. beim Gegnerkontakt mit dem Wurfarm beim Handball oder beim Abfangen des Körpergewichts bei einem Sturz. Eine Schulterluxation ist ausgesprochen schmerzhaft, der betroffene Arm wird mit der Gegenhand am Körper fixiert, eine Bewegung des Schultergelenks ist nicht mehr möglich. Bereits bei der Betrachtung fällt die veränderte Schulterkontur durch den in der Regel nach vorne stehenden Oberarmkopf auf, hinten ist die leere Gelenkpfanne zu tasten. Oftmals springt der Oberarmkopf nicht mehr von selbst zurück in die Pfanne, so dass das Gelenk (meist in einer kurzen Narkose) vom Arzt wieder eingerenkt werden muss. Bereits einige Wochen nach einer Schulterluxation bestehen – wenn es nicht zu Begleitverletzungen wie Knochenbrüchen oder Sehnenrissen gekommen ist – meist keine Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen mehr, teilweise werden jedoch bestimmte Bewegungen vermieden. Wichtigstes „Symptom“ ist jedoch das erneute Auskugeln, oft diesmal ohne große Gewalteinwirkung, als Zeichen einer bleibenden Instabilität des Gelenks. Besonders bei jungen und sportlich aktiven Patienten besteht hierfür ein hohes Risiko.

Ursachen

Das Schultergelenk besteht aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne. Die Stabi- lisierung des Gelenkes erfolgt durch die Gelenkkapsel, Sehnen und Muskeln sowie einen knorpeligen Ring, den man als Labrum bezeichnet, der die Gelenkpfanne umgibt. Die Ursachen von Luxationen des Schultergelenkes können anlagebedingt sein (z.B. zu große Kapsel, schlaffer Bandapparat). In der Regel führen jedoch Verletzungen zu Schulterluxationen und haben entsprechende Begleitläsionen zur Folge (Abriss des Labrums, der Kapsel oder auch Abbruch eines knöchernen Teiles der Gelenkpfanne und des Oberarmkopfs). Dadurch kann die Stabilität des Schultergelenkes derart beeinträchtigt sein, dass wiederholte Luxationen des Gelenkes auftreten oder dass eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung verbleibt.

Diagnose

Die Untersuchung und Befragung des Patienten ergibt bereits in den meisten Fällen den entscheidenden Hinweis, ob das Schultergelenk instabil und durch weitere Luxationen gefährdet ist. Knöcherne Verletzungen müssen grundsätzlich durch entsprechende Röntgenbilder ausgeschlossen werden. Beim jüngeren Patienten bis zum 30.-40. Lebensjahr tritt besonders häufig ein Abriss des Labrums auf. Dies kann durch eine kernspintomographische Untersuchung nachgewiesen werden. Bei über 40-jährigen Patienten treten bevorzugt Verletzungen der das Schultergelenk umgebenden Sehnen auf, die durch die Sonographie oder Kernspintomographie nachgewiesen werden können.

Therapie

Anlagebedingte Luxationen werden zunächst durch ein Aufbautraining der Schultergelenk-stabilisierenden Muskulatur behandelt. Sofern nach mindestens einjährigem konsequentem Muskeltraining weiterhin eine Luxationsneigung besteht, ist ggf. die operative Therapie erforderlich. Bei Luxationen, die nach Verletzungen des Schultergelenkes auftreten, wird beim jungen, sportlich und beruflich aktiven Patienten in den meisten Fällen nach entsprechender Diagnostik mit Nachweis eines Abrisses des Labrums oder knöcherner Verletzung die operative Therapie bevorzugt. Beim älteren Patienten kann häufig zunächst abgewartet und versucht werden, das Gelenk durch vorübergehende Ruhigstellung und anschließendes Muskeltraining zu stabilisieren, sofern eine Verletzung der Sehnen ausgeschlossen wurde. Grundsätzlich muss die Therapieplanung für jeden Patienten individuell erfolgen. Bei anhaltenden instabilitätsbedingten Symptomen oder wiederholten Auskugelungen ist eine operative Therapie angezeigt.